•30. Juni 2011 •
Sehr geehrte Leserschaft,
dieser weise Spruch erreichte mich heute auf wunderbare Art und Weise, nämlich als Geschenk auf dem Postweg in Form eines Blechschildes, welches nun in meiner Küche hängt und mich freundlich daran erinnert, dass ich nicht nur mich selbst unglücklich mache, wenn ich nach Perfektionismus strebe – sondern auch Gott und die Welt.
Und dass die Welt nicht untergeht, wenn etwas nicht gelingt – auch wenn es vielleicht zunächst so aussieht.
Und dass eifrige Planung manchmal geradezu magnetisch das Unvorhergesehene anzieht.
Der geneigte Leser erinnert sich vielleicht an meine große Freude als frisch Verlobte – ich machte Luftsprünge! Und ich behauptete (wenn ich mich hier einmal selbst zitieren darf): „Jeder ist seines Glückes Schmied – und deshalb wird mein Glück auch was werden.“
Na, dass ich damit den Zorn der Götter evt. ein wenig auf mich gezogen habe, wundert mich rückblickend nicht. Der Verlobte ist nicht mehr der Verlobte.
So, nun ist es raus.
Es ist schrecklich traurig und niemand ist schuld.
Wikipedia sagt: „Jenga ist ein Geschicklichkeitsspiel. Es besteht aus 60 gleichen hölzernen Bauteilen in Quaderform, die zu Beginn des Spiels zu einem Turm gestapelt werden.“
So wie all die schönen Pläne.
Wikipedia sagt: „Nachdem der Turm aufgestellt ist, lösen die Mitspieler abwechselnd einhändig einen Stein aus dem Turm und setzen ihn oben auf die Spitze. Das Spiel endet, wenn der Turm einstürzt.
Sieger des Spiels ist, wer den letzten Stein auf den Turm setzen konnte, ohne dass dieser gleich danach zusammenfällt.“
Dieses Bild wollte mir lange nicht mehr aus dem Kopf.

- Jenga-Tarot-Turm
Im Tarot steht die Karte des Turmes für die Zerstörung der Form und einen Umbruch der Werte.
Mein Tarot-Buch sagt: „Durch die Brille des vernunftmäßigen Denkens werden diese plötzlichen Veränderungen häufig als Katastrophen erlebt. […] Wenn wir aber darauf vertrauen, dass das, was mit dem höheren Willen in Übereinstimmung ist, nicht zerstört werden kann, dann können wir im Zusammenbruch der Dinge auch den Durchbruch zu uns selbst erkennen.“
Nun ja. Das ist immer leichter gesagt als getan.
Das heißt aber nicht, dass es unmöglich ist.
Alles fließt.
In den letzten Wochen war mir ein Text sehr hilfreich, den ich dem geneigten Leser nicht vorenthalten will. Er heißt Desiderata und wurde von Max Ehrmann (1872-1945) geschrieben, das Original ist in englischer Sprache entstanden, die folgende Version habe ich aus verschiedenen Übersetzungen zusammengebastelt:
***
Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann.
Sei auf gutem Fuß mit jedermann, so weit als möglich, ohne dich aufzugeben.
Äußere deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen zu, auch den Geistlosen und Unwissenden; auch sie haben ihre Geschichte.
Meide laute und aggressive Menschen, für den Geist sind sie eine Qual.
Wenn du dich mit anderen vergleichst, könntest Du bitter werden oder Dir nichtig vorkommen, denn es wird immer jemanden geben, der grösser oder geringer ist als Du.
Freue Dich Deiner Leistungen und Deiner Pläne.
Bleibe weiter an Deinem Weg interessiert, im wechselnden Glück der Zeiten ist er ein echter Besitz.
In deinen geschäftlichen Angelegenheiten lasse Vorsicht walten, denn die Welt ist voller Betrug.
Doch soll dich dies nicht blind machen für vorhandene Rechtschaffenheit.
Viele Menschen bemühen sich, hohen Idealen zu folgen und überall ist das Leben voller Heldenmut.
Sei Du selbst; vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung.
Und sei, was die Liebe anlangt, nicht zynisch. Denn auch im Angesicht aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch ewig wie das Gras.
Nimm freundlich-gelassen den Ratsschluss der Jahre an und gib anmutig die Dinge der Jugend auf.
Stärke die Kraft Deines Geistes, damit er Dich bei hereinbrechendem Unglück schütze.
Aber quäle dich nicht mit Gedanken.
Viele Ängste kommen aus Erschöpfung und Einsamkeit.
Bei aller angemessenen Disziplin – sei freundlich zu dir selbst. Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als die Bäume und die Sterne. Du hast ein Recht hier zu sein.
Und ob es Dir nun bewusst ist oder nicht: Kein Zweifel besteht, dass sich das Universum so entfaltet, wie es sich entfalten soll.
Darum lebe in Frieden mit Gott, was auch immer Du unter Gott verstehst.
Und was immer Dein Mühen und Sehnen ist, in der lärmenden Wirrnis des Lebens: erhalte Dir den Frieden mit Deiner Seele.
Trotz aller Falschheit, trotz aller Mühsal und all der zerbrochenen Träume
ist es dennoch eine schöne Welt.
Sei vorsichtig. Und strebe danach, glücklich zu sein.
***

Fräulein Bork nach dem Regen.
Mit freundlichen Grüßen
Fräulein Bork
Veröffentlicht in Die Liebe zum Detail
Schlagwörter: Abschied, Desiderata, Jenga, Leben, Liebe, Max Ehrmann, Nam June Paik, Perfektionismus, Tarot, Trennung, Turm, Umbruch, Veränderung