„Ja ist eine Straße. Nein ist ein Horizont.“ (Peter Lau)

•1. Februar 2012 • Hinterlasse einen Kommentar

Sehr geehrte Leserschaft,

damit will der zitierte womöglich sagen, dass man sich ja nur schwer zu etwas entscheiden kann, dass man sich nicht irgendwie vorstellen kann. Man sieht den Weg, den man gehen will vor sich und sagt dazu „Ja“. Deshalb ist Ja eine Straße.
Wogegen ein Nein geradezu das Gegenteil eines Weges ist oder zumindest der Entschluss dagegen. Ein Nein ist eigentlich nur der Tod einer Möglichkeit. Die meisten anderen Möglichkeiten sind noch da, am Horizont. Man könnte sie ergreifen. Man muss nicht.

Fantastisch!
Seit ich diesen Satz gelesen habe, denke ich dauernd über meine Jas und Neins nach. Und über die der Anderen.

Ich finde Ja-sagen gar nicht so leicht. Obwohl man Ja-Sager im allgemeinen von oben herab als     unkritisch betrachtet.
Man kann mit einem großen Ja recht leicht und schmerzhaft auf die Nase fallen.
Aber ganz genau wie bei der Mountainbike-Abfahrt ist es auch im richtigen Leben wichtig, sich nicht auf das zu konzentrieren, was man befürchtet, sondern auf das was passieren soll.

Nein ist ein Horizont – aber es führt nicht weiter.

Natürlich ist ein Horizont trotzdem viel cooler als eine Straße – und das sage ich wie immer ohne jeden Zynismus. Es ist einfach so.

ABER: Am allercoolsten ist es, wenn sich Ja und Nein – also Straße und Horizont – treffen.
Bang!

Bang!
Bang!

Dieser Punkt, an dem Weg und Freiheitswille aufeinandertreffen, ist mit Sicherheit kein Jein.
Ich bin mal so frei, zu behaupten: Das ist im menschlichen Koordinatensystem der Sinn des persönlichen Lebens.
Unsere Jas und Neins wollen eigentlich auf das gleiche hinaus.

Aber Wer sich dabei immer auf den Horizont konzentriert kommt nirgends an.
Lustigerweise, kommen die, die sich immer auf einen Weg konzentrieren auch nie an. Aber sie sind zumindest immer dabei…

Mit freundlichen Grüßen,
Fräulein Bork

“Alles Alte, soweit es den Anspruch darauf verdient hat, sollen wir lieben; aber für das Neue sollen wir eigentlich leben.” (Theodor Fontane)

•31. Dezember 2011 • 2 Kommentare

Sehr geehrte Leserschaft,

wir gleiten nun wieder einmal vom Alten ins Neue.

Mir ist bei neuen Dingen oft mulmig zumute. Ich bin recht sentimental und es fällt mir für gewöhnlich schwer, das Alte hinter mir zu lassen.
Wenn man sich jedoch auf das Neue einläßt, geschehen oft fulminante Ereignisse. Seit dem letzten Eintrag bin ich zum Beispiel umgezogen, war 6 Wochen ohne Internet, habe geheiratet und erwarte nun Nachwuchs. Schwups.
Manchmal geht alles ganz schön schnell…

Während ich in der neuen Wohnung Karton für Karton auspacke – und wer mir je beim Umzug half wird wissen: es sind unvorstellbar viele Kartons – klappt sich sozusagen mein gesamtes Leben in der Rückschau nocheinmal vor mir auf.
Gleichzeitig steht mir viel Neues bevor: mein Diplom, das sehr gut werden soll; mein Kind, das gesund zur Welt kommen soll; meine Ehe, die glücklich bis zum Ende halten soll; und meine berufliche Karriere, die nächstes Jahr starten soll und die sich mit meinem Familienleben großartig vereinbaren lassen soll.
Das alles soll so sein, weil es mir anderenfalls das Herz brechen würde.

Ich denke, deshalb ist es oft so schwierig, sich dem Neuen zu öffnen – es ist eben darum spannend, weil es viel zu gewinnen und ebensoviel zu verlieren gibt. Und wir wissen die Gewinne oft nicht einmal im gleichen Grad zu schätzen wie wir die Verluste wahrnehmen. Das Neue kann einem also zu recht ganz schön Angst einjagen. Darum schießen wir an Silvester aus allen Rohren zurück!

Ich habe mir für das Neue Jahr – in dem es für mich so viel zu gewinnen und so viel zu verlieren gibt – eine neue Taktik überlegt: die Sterntaler-Haltung!

Fräulein  Sterntaler

Fräulein Sterntaler

Ich halte einfach mal mein Hemdchen auf und schaue, welche meiner Wünsche in Erfüllung gehen, wenn ich mein Möglichstes dazu gebe, dass alles gut gelingt.

Mehr kann man nämlich nicht tun, ohne verrückt zu werden.

Aber weniger sollte man auch nicht tun – sonst fängt der Sternregen gar nicht erst an. Das kann man bei den Gebrüdern Grimm nachlesen: Sterntaler hat im wahrsten Sinne des Wortes alles gegeben (und zuvor auch einiges verloren) – erst dann kam das Glück gerieselt!
Es hat ja niemand gesagt, dass es leicht ist – aber es lohnt sich allemal, ab und an etwas Neues mit dem Leben zu versuchen…

Ich wünsche der geneigten Leserschaft ebensolches Glücksrieseln und von Herzen ein segensreiches Neues Jahr!

Mit freundlichen Grüßen
Fräulein Bork

Fräulein Bork denkt über’s Sterben nach

•8. November 2011 • 8 Kommentare

 

Die sehr geehrte Leserschaft wird nun zur sehr geehrten Zuschauerschaft!

Der Trailer zu meinem Dokumentarfilm ist fertig!

 

Mit freundlichen Grüßen

Fräulein Bork

„Nichts verschafft mehr Ruhe als ein gefasster Entschluss.“ (Charles Maurice de Talleyrand-Périgog)

•31. Oktober 2011 • Hinterlasse einen Kommentar

Sehr geehrte Leserschaft,

wenn ich mir eine Superkraft wünschen dürfte, wäre das noch bis gestern „8-Stimmig singen können – und zwar alleine, gleichzeitig“ gewesen. Welch ein inneres Kirschblütenfest wäre mir das!

Seit heute wünsche ich mich mir aber etwas ganz schnöde anmutendes: „Ruhe bewahren!“

Wer Nachbarn, Kollegen oder Familie hat, weiß: was uns in manchen Konstellationen und Lebenssituationen eine große Stütze ist, kann in anderen Momenten der Mahlstein sein, unter dem Konzentration, Motivation und Lebensfreude zu einem feinen Pulver verarbeitet werden – man kann um diese Personenkreise nämlich nicht einfach einen Bogen machen, wenn da mal jemand dabei ist, der einen regelmäßig zur Weißglut bringt..

Was tun? Kommunikation!

Dann stellt sich aber oft heraus: die Leute, die mit sich reden lassen, sind nicht das Problem – im Gegenteil, die sind Bereicherung.

Das Problem sind die Mitmenschen, die einem nur sagen wollen, wie alles zu sein hat und die in ihrem kleinen Universum keine anderen Perspektiven als nur die eigene naturgesetzlich verankert haben: „Wer nicht denkt wie ich, denkt nicht richtig.“

Da redet man häufig gegen eine Wand. Und wenn die Wand dann auch noch unfreundlich wird, weil man nicht will, wie die Wand will – dann kracht es.

Soll es aber nicht. Habe ich jedenfalls gehört und gelesen: erstens ist das Energieverschwendung in Zeiten der Energieknappheit und zweitens auch.

Das HB- Männchen weiß Bescheid!

Das HB- Männchen weiß Bescheid!

Es hilft ja nichts. Wenn man die anderen nicht auf den Mond schießen kann, muss man Ruhe bewahren.

Der geneigte Leser kann sich denken, das ich in meinem kleinen Keller schon an der Plan-B-Rakete bastele – aber einstweilen übe ich die Heitere Gelassenheit.

Und die erreicht man (wie unser Charly oben mit dem komplizierten Nachnamen so richtig verkündet) z. B. durch Entschlüsse. Entschluss bedeutet manchmal auch Schlusspunkt.

Wenn man etwas nicht ändern kann, so sehr man sich auch bemüht: Schluss. Nicht mehr darüber aufregen. Tief durchatmen. Drumherumleben.

Und allem voran ist da eine riesige Gruppe von Menschen, die man nicht ändern kann, so sehr man es auch versucht: es sind a l l e Anderen. Das kann man getrost vergessen.

Also: Beim nächsten Gegen-die-Wand-krachen alle Kraft zusammen nehmen und zu einem milden Lächeln formen. Evt. lässt sich auch das eine oder andere Kilo gemahlener Lebensfreude zu einem schönen Kuchen verarbeiten. Keinen Durchbruch versuchen. Statt dessen die Energie auf erfreuliche und erbauliche Dinge lenken. Heimlich im Keller an der Rakete weiter basteln. Vielleicht wird’s ja was…

Mit freundlichen Grüßen

Fräulein Bork

 

„Wir müssen uns mit uns selbst gut auskennen, um substantielle Entscheidungen treffen zu können, die wir nicht bereuen werden. Unsere Phantasie uns selbst betreffend muss groß, verläßlich und genau sein.“ ( Peter Bieri in Das Handwerk der Freiheit)

•4. September 2011 • Hinterlasse einen Kommentar

Sehr geehrte Leserschaft,

gestern Abend trank ich eine erhebliche Menge Rotwein und nun habe ich einen ordentlichen Brummschädel!

Des heutigen Brummschädels war ich mir bereits bewusst, als ich im Penny-Markt mit meiner „Maitre Phillipe“-Flasche an der Kasse stand. Da funktionierte also die mich selbst betreffende Phantasie ganz wunderbar – und ich kann hinterher nicht völlig überrascht über Kopfschmerzen jammern – es war meine eigene Entscheidung. Es war ja auch ein schöner Abend.

Ich treffe in letzter Zeit viele substantielle Entscheidungen – ich bin bald Mitte 30, da muss man das machen. Ein Sprichwort sagt: „Jede Entscheidung ist ein Massenmord an Möglichkeiten“. Das fällt mir natürlich schwer. Die armen Möglichkeiten.

Ich beneide Menschen, die genau wissen, was sie wollen.

Ich selbst gehöre womöglich nicht dazu, denn ich habe schon Probleme, wenn ich eine Pizza bestellen soll. Am liebsten ist mir die Pizza „Vier Jahreszeiten“ weil man da jeweils ein Viertel mit Thunfisch, Pilzen, Spinat und Salami bekommt. Das kommt mir sehr entgegen, steht aber verblüffend selten auf der Speisekarte.

Ich bin ein offener Mensch, ich kann mir Vieles vorstellen. Meine Phantasie ist groß – aber ist sie auch verlässlich und genau?

Der Trick ist: Man darf nicht zum Spielball der eigenen Wünsche werden. Ich mag Wünsche und ich wünsche viel und gerne. Aber Wünsche sind flüchtig.

Schon als Kind habe ich es gelernt: um den Kassettenrekorder drumherum gekuschelt hörte ich Die unendliche Geschichte von Michael Ende mit ihrem Leitspruch „Tu, was du willst“ (der auf der Rückseite des Auryn steht).

Und ich kann hier tausendfach gehörtes aus dem Gedächtnis zitieren:

Bastian Balthasar Bux: „Tu was Du willst, das bedeutet doch, dass ich alles tun darf, wozu ich Lust habe, meinst du nicht?“ Graógramáns Gesicht sah plötzlich erschreckend ernst aus, und seine Augen begannen zu glühen.: „Nein, es heißt, dass du deinen Wahren Willen tun sollst! Und nichts ist schwerer…“

Ende sagt dazu: „Diese Formel ‚Tu, was du willst!‘ geht über Rabelais bis zum Heiligen Augustin zurück. [„der auf die Frage, was man tun müsse, um das ewige Leben zu erreichen, antwortet: ‚Liebe Gott, – und tu was du willst.‘ […] Mir scheint, daß dieser Satz durch die ganze abendländische Geschichte geht, als eine Art Pendant zu jenem anderen – ‚gnoti seauton‘. Vielleicht gehören sie überhaupt zusammen: ‚Erkenne dich selbst – und tu was du willst.‘ „] In Phantásien kann man seinen ‚Wahren Willen‘ auch nicht tun, man kann ihn dort nur finden. Eben deshalb führt er einen in die Menschenwelt zurück.“ (ich habe hier zwei Ende-Zitate gemischt)

So. Die Hausaufgabe für den geneigten Leser lautet diese Woche also:

  • Erkenne Dich selbst

  • Tu, was Du willst

Für alle die sich noch ein Extra-Sternchen dazu verdienen möchten sind auch noch folgende Zwischenschritte zu erledigen:

  1. Entwickle Phantasie und Wünsche, Dich selbst betreffend

  2. Finde daraus Deinen wahren Willen

  3. Triff substantielle Entscheidungen und sei bereit, die Verantwortung hierfür zu übernehmen

Der Schlüssel zur Freiheit ist nämlich, die Verantwortung für sich selbst übernehmen zu können – das gilt für die Innere wie für die äußere Welt.

Wer ständig die Umstände und die Mitmenschen für das eigene Glück oder Unglück verantwortlich macht ist eine Feder im Wind!

Im 17. Jahrhundert bedeutete verantwortlich ‘was sich verteidigen lässt’, heute bedeutet es ‘für eine Entscheidung einstehen’.

Und Verantwortung kommt von ‘antworten’. Also nur nicht sprachlos werden, sondern immer in Kommunikation mit dem Leben bleiben.

Letztendlich glaube ich, ich muss mir um die Entscheidungsschwierigkeiten im Restaurant gar nicht so viele Sorgen machen, solange das mit den substantiellen Entscheidungen gut läuft. Und da bin ich eigentlich guter Dinge.

Selbiges wünsche ich dem geneigten Leser von Herzen!

Mit brummschädeligen Grüßen

Fräulein Bork

„Fräulein, wir konnten dich nicht per E-Mail erreichen.“ (Facebook)

•28. August 2011 • 2 Kommentare

Sehr geehrte Leserschaft,

so einen strengen und vorwurfsvollen Ton bin ich eigentlich nur von meinen Eltern gewöhnt – aber dass Facebook jetzt auch so mit mir redet… – ich muss schon sagen!

Meine Eltern haben mich immerhin auf die Welt gebracht und so. Was hat denn Facebook je für mich getan? Ich werde ständig mit Veranstaltungseinladungen und Anwendungsanfragen zugeschüttet und muss mich andauernd mit Leuten ‘befreunden’, die ich kaum kenne – aber auch nicht vor den Kopf stoßen will.

Außerdem stimmt das gar nicht, dass meine E-Mail-Adresse nicht funktioniert. Die funktioniert! Die wollen doch bloß noch eine und noch eine und dann alle E-Mail-Adressen von meinen ‘Freunden’ und deren ‘Freunden’.

Ich bin schon wieder drauf und dran die Mitgliedschaft zu beenden.

Überhaupt bin ich jetzt oft trotzig.

Widersetzlich, eigensinnig, bockig. Ein Trotzkopf. Beziehungsweise eine Trotzköpfin.

In der Diplomphase sind solche Gefühle meines Erachtens normal:

„Ein Wutausbruch in der Trotzphase entsteht meist aus einer Frustration, wenn Ihr Kind [/Fräulein Bork] merkt, dass es [/sie] etwas nicht schafft, was es [/sie] aber unbedingt schaffen will. In der Trotzphase lernen die Kleinkinder [/Fräulein Bork], dass man im Leben durchhalten muss und nicht nachlassen darf. In dieser schwierigen Phase ist Ihr Kind [/Fräulein Bork] verunsichert und braucht besonders viel Zuneigung und Liebe.“ (www.familylounge.de)

So.

Trotzphasen gehen immer mit einem Ohnmachtsgefühl einher (siehe die Krawalle von London). Es ist gar nicht so leicht, immer alles wie erwartet hinzubekommen und wenn man dann noch ständig geärgert wird – von ominösen Anwaltsbriefen, unzuverlässigen Maklerinnen und einem vorwurfsvollen Facebook – dann würde man sich manchmal gerne schreiend auf den Boden im Supermarkt werfen und nicht ruhen, bis einen jemand mit Schokolade und guten Worten besänftigt.

Doch wer hier Hilfe im Internet sucht, sucht vergebens: Für die Trotzphase im Erwachsenenalter gibt es kaum geeignete Ratschläge.

Den besten und handfestesten Tipp findet der geneigte Schmollmops hier .

 

Und um der Umwelt einen dezenten Hinweis über die Gefühlslage zu geben empfiehlt sich evt. der Erwerb des folgenden T-Shirts: (Erhältlich hier, bis Größe 164, da passe ich gerade noch so rein – der geneigte Leser vielleicht auch!)

 

Trotzphase

Trotzphase

 

Schlussendlich scheinen aber Zuneigung und Liebe die Schlüsselworte zu sein und so werde ich diese nun zelebrieren und rate der geehrten Leserschaft das Gleiche an.

 

Mit trotzigen Grüßen

Fräulein Bork

 

„When too perfect, lieber Gott böse.“ Nam June Paik

•30. Juni 2011 • 5 Kommentare

Sehr geehrte Leserschaft,

dieser weise Spruch erreichte mich heute auf wunderbare Art und Weise, nämlich als Geschenk auf dem Postweg in Form eines Blechschildes, welches nun in meiner Küche hängt und mich freundlich daran erinnert, dass ich nicht nur mich selbst unglücklich mache, wenn ich nach Perfektionismus strebe – sondern auch Gott und die Welt.

Und dass die Welt nicht untergeht, wenn etwas nicht gelingt – auch wenn es vielleicht zunächst so aussieht.

Und dass eifrige Planung manchmal geradezu magnetisch das Unvorhergesehene anzieht.

Der geneigte Leser erinnert sich vielleicht an meine große Freude als frisch Verlobte – ich machte Luftsprünge! Und ich behauptete (wenn ich mich hier einmal selbst zitieren darf): „Jeder ist seines Glückes Schmied – und deshalb wird mein Glück auch was werden.“

Na, dass ich damit den Zorn der Götter evt. ein wenig auf mich gezogen habe, wundert mich rückblickend nicht. Der Verlobte ist nicht mehr der Verlobte.

So, nun ist es raus.

Es ist schrecklich traurig und niemand ist schuld.

Wikipedia sagt: „Jenga ist ein Geschicklichkeitsspiel. Es besteht aus 60 gleichen hölzernen Bauteilen in Quaderform, die zu Beginn des Spiels zu einem Turm gestapelt werden.“

So wie all die schönen Pläne.

Wikipedia sagt: „Nachdem der Turm aufgestellt ist, lösen die Mitspieler abwechselnd einhändig einen Stein aus dem Turm und setzen ihn oben auf die Spitze. Das Spiel endet, wenn der Turm einstürzt.

Sieger des Spiels ist, wer den letzten Stein auf den Turm setzen konnte, ohne dass dieser gleich danach zusammenfällt.“

Dieses Bild wollte mir lange nicht mehr aus dem Kopf.

Jenga-Tarot-Turm
Jenga-Tarot-Turm

Im Tarot steht die Karte des Turmes für die Zerstörung der Form und einen Umbruch der Werte.

Mein Tarot-Buch sagt: „Durch die Brille des vernunftmäßigen Denkens werden diese plötzlichen Veränderungen häufig als Katastrophen erlebt. […] Wenn wir aber darauf vertrauen, dass das, was mit dem höheren Willen in Übereinstimmung ist, nicht zerstört werden kann, dann können wir im Zusammenbruch der Dinge auch den Durchbruch zu uns selbst erkennen.“

Nun ja. Das ist immer leichter gesagt als getan.

Das heißt aber nicht, dass es unmöglich ist.

Alles fließt.

In den letzten Wochen war mir ein Text sehr hilfreich, den ich dem geneigten Leser nicht vorenthalten will. Er heißt Desiderata und wurde von Max Ehrmann (1872-1945) geschrieben, das Original ist in englischer Sprache entstanden, die folgende Version habe ich aus verschiedenen Übersetzungen zusammengebastelt:

***
Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann.

Sei auf gutem Fuß mit jedermann, so weit als möglich, ohne dich aufzugeben.

Äußere deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen zu, auch den Geistlosen und Unwissenden;  auch sie haben ihre Geschichte.

Meide laute und aggressive Menschen, für den Geist sind sie eine Qual.

Wenn du dich mit anderen vergleichst, könntest Du bitter werden oder Dir nichtig vorkommen, denn es wird immer jemanden geben, der grösser oder geringer ist als Du.
Freue Dich Deiner Leistungen und Deiner Pläne.

Bleibe weiter an Deinem Weg interessiert, im wechselnden Glück der Zeiten ist er ein echter Besitz.

In deinen geschäftlichen Angelegenheiten lasse Vorsicht walten, denn die Welt ist voller Betrug.
Doch soll dich dies nicht blind machen für vorhandene Rechtschaffenheit.
Viele Menschen bemühen sich, hohen Idealen zu folgen und überall ist das Leben voller Heldenmut.
Sei Du selbst; vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung.
Und sei, was die Liebe anlangt, nicht zynisch. Denn auch im Angesicht aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch ewig wie das Gras.

Nimm freundlich-gelassen den Ratsschluss der Jahre an und gib anmutig die Dinge der Jugend auf.

Stärke die Kraft Deines Geistes, damit er Dich bei hereinbrechendem Unglück schütze.

Aber quäle dich nicht mit Gedanken.
Viele Ängste kommen aus Erschöpfung und Einsamkeit.

Bei aller angemessenen Disziplin – sei freundlich zu dir selbst. Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als die Bäume und die Sterne. Du hast ein Recht hier zu sein.
Und ob es Dir nun bewusst ist oder nicht: Kein Zweifel besteht, dass sich das Universum so entfaltet, wie es sich entfalten soll.
Darum lebe in Frieden mit Gott, was auch immer Du unter Gott verstehst.

Und was immer Dein Mühen und Sehnen ist, in der lärmenden Wirrnis des Lebens: erhalte Dir den Frieden mit Deiner Seele.
Trotz aller Falschheit, trotz aller Mühsal und all der zerbrochenen Träume
ist es dennoch eine schöne Welt.

Sei vorsichtig. Und strebe danach, glücklich zu sein.
***

Fräulein Bork nach dem Regen.

Fräulein Bork nach dem Regen.

Mit freundlichen Grüßen

Fräulein Bork

 
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